B2B E-Commerce

Shopware Digital Sales Rooms: So digitalisieren Sie Ihren B2B-Vertrieb mit Guided Selling

HL

Holger Lentz

6 Min. Lesezeit

Ihre B2B-Kunden recherchieren längst selbst, vergleichen Anbieter online und erwarten Antworten außerhalb klassischer Bürozeiten. Gleichzeitig lassen sich erklärungsbedürftige Produkte, individuelle Konditionen und komplexe Beschaffungsprozesse nicht mit einem anonymen Webshop allein abbilden. Genau in diese Lücke stoßen Digital Sales Rooms: kuratierte, persönliche Verkaufsräume, die E-Commerce und Vertriebsberatung zusammenführen. Laut dem Gartner Market Guide for Digital Sales Rooms sollen bis 2028 rund 30 Prozent aller B2B-Verkaufszyklen primär über solche digitalen Verkaufsräume laufen. Shopware liefert diese Funktion als integrierten Bestandteil der Commerce-Plattform, und mit dem für diesen Sommer angekündigten Sales Agent baut der Hersteller den Bereich konsequent aus.

Warum der klassische B2B-Vertrieb an seine Grenzen stößt

Der typische B2B-Vertriebsprozess ist über Jahre gewachsen: Außendiensttermine, PDF-Kataloge, Angebote per E-Mail, Rückfragen per Telefon. Das funktioniert, skaliert aber nicht. Jeder Vorgang hängt an einzelnen Personen, Informationen liegen verstreut in Postfächern, und der Kunde hat keinen zentralen Ort, an dem er Angebot, Produktdaten und Konditionen einsehen kann. Wir sehen in Projekten regelmäßig, dass genau hier Abschlüsse verloren gehen, weil Entscheider auf Kundenseite intern nicht sauber weitergeben können, was besprochen wurde.

Dazu kommt ein Generationswechsel im Einkauf. Beschaffungsteams sind es aus dem privaten Umfeld gewohnt, digital zu recherchieren und selbstständig zu bestellen. Studien zum B2B-E-Commerce 2026 zeigen durchgängig: Geschäftskunden erwarten Self-Service, Transparenz und Reaktionszeiten wie im B2C. Ein Vertrieb, der nur auf persönliche Termine setzt, wird diesen Erwartungen nicht mehr gerecht. Ein reiner Webshop ohne Beratung allerdings auch nicht, sobald es um konfigurierbare Produkte, Rahmenverträge oder individuelle Preise geht.

Was ein Digital Sales Room ist und wie er funktioniert

Ein Digital Sales Room ist ein geschützter, personalisierter Online-Raum, den Ihr Vertriebsmitarbeiter für einen konkreten Kunden oder Deal anlegt. Statt Produktlisten und Preise per E-Mail hin und her zu schicken, kuratiert der Vertrieb dort ein passendes Sortiment, hinterlegt kundenindividuelle Preise und Aktionen und führt den Kunden per Guided Selling durch das Angebot. Präsentation, Videoberatung und Warenkorb finden am selben Ort statt.

Der entscheidende Unterschied zu Screensharing-Terminen oder PDF-Angeboten: Der Raum bleibt nach dem Gespräch bestehen. Der Einkäufer kann das kuratierte Angebot jederzeit erneut aufrufen, intern teilen und direkt daraus bestellen. Aus einem einmaligen Beratungstermin wird ein dauerhafter, messbarer Touchpoint. Anbieter berichten von deutlich kürzeren Verkaufszyklen, weil Rückfragen und interne Abstimmungen beim Kunden nicht mehr über verstreute E-Mail-Threads laufen.

Shopware Digital Sales Rooms: Guided Selling direkt aus Ihrem Shopsystem

Der große Vorteil der Shopware Digital Sales Rooms gegenüber Standalone-Tools liegt in der Integration. Der Verkaufsraum ist kein separates System mit eigener Datenhaltung, sondern arbeitet direkt auf Ihrer Shopware-Instanz: Produktdaten, Lagerbestände, Kundengruppen und individuelle Preislogiken kommen aus derselben Quelle wie im Shop. Was der Vertrieb im Digital Sales Room zusammenstellt, ist sofort bestellbar, ohne Medienbruch und ohne doppelte Datenpflege.

Dazu kommen eingebettete Videoberatung für Guided-Selling-Sessions, Aktions-Tracking und Webhooks, über die sich Interaktionen an Ihr CRM übergeben lassen. Ihr Vertrieb sieht also nicht nur, dass ein Angebot geöffnet wurde, sondern kann das Verhalten im Raum systematisch in die Nachverfolgung einfließen lassen. In Kombination mit den B2B Components, etwa Budgets, Freigabeprozessen und Bestelllisten, entsteht eine durchgängige Strecke von der persönlichen Beratung bis zur wiederkehrenden Selbstbestellung. Wie gut das in der Praxis läuft, hängt allerdings stark von der Basis ab: Eine saubere Shopware Architektur mit gepflegten Produktdaten und performanter Storefront ist Voraussetzung, damit der Verkaufsraum überzeugt statt frustriert.

Sales Agent: Das kommt diesen Sommer auf Ihren Außendienst zu

Mit dem Sales Agent hat Shopware für diesen Sommer eine Beta angekündigt, die den Werkzeugkasten für den Vertrieb erweitert. Die Richtung ist klar: Außendienst und Innendienst sollen Angebote, kuratierte Sortimente und Kundeninteraktionen direkt aus der Shopware-Umgebung heraus steuern, ohne zwischen Shop-Backend, CRM und Präsentationstools zu wechseln. Für Unternehmen, die heute noch mit Excel-Preislisten und Katalog-PDFs im Außendienst arbeiten, ist das eine greifbare Chance, den Vertrieb ohne Systembruch zu digitalisieren.

Unsere Einschätzung als Shopware Agentur: Warten Sie nicht, bis der Funktionsumfang final ist. Die Unternehmen, die jetzt ihre Produktdaten, Preislogiken und B2B-Prozesse in Shopware sauber aufsetzen, können neue Vertriebsfeatures wie Digital Sales Rooms und Sales Agent später einfach aktivieren. Wer erst dann mit dem Aufräumen beginnt, verliert Monate.

So starten Sie mit Digital Sales Rooms in Ihrem B2B-Shop

Der Einstieg ist weniger ein Technik- als ein Prozessthema. Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen:

  • Use Case definieren: Welche Deals profitieren am meisten von einem kuratierten Verkaufsraum? Typischerweise erklärungsbedürftige Produkte, Neukunden-Onboardings und Jahresgespräche mit Rahmenvertragskunden.

  • Datenbasis prüfen: Produktdaten, Preislogiken und Kundengruppen müssen in Shopware korrekt und vollständig gepflegt sein, denn der Digital Sales Room zeigt genau das, was Ihr System hergibt.

  • Pilot fahren und messen: Starten Sie mit einem Vertriebsteam und wenigen Accounts, messen Sie Öffnungsraten, Verweildauer und Conversion im Raum, und rollen Sie erst dann breit aus.

Richtig aufgesetzt, verbinden Shopware Digital Sales Rooms das Beste aus beiden Welten: die Effizienz und Verfügbarkeit eines Onlineshops mit der Überzeugungskraft persönlicher Beratung. Für B2B-Unternehmen mit komplexen Sortimenten ist das aktuell einer der größten Hebel, um Verkaufszyklen zu verkürzen und den Vertrieb zu entlasten.

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CEO, enno.dev GmbH