Digitaler Produktpass für Shopware: So bereiten Sie Ihren Shop auf die EU-Pflicht ab 2027 vor
HL
Holger Lentz
6 Min. Lesezeit
Die EU macht ernst mit der Kreislaufwirtschaft: Mit der Ökodesign-Verordnung ESPR kommt der digitale Produktpass, kurz DPP. Ab Februar 2027 gilt er verpflichtend für bestimmte Batterien, danach folgen Schritt für Schritt Textilien, Elektronik und weitere Produktgruppen. Jedes betroffene Produkt braucht dann eine digitale Identität, die über einen QR-Code abrufbar ist und Informationen zu Herkunft, Materialien, Reparierbarkeit und Recycling bereitstellt.
Für Sie als Shop-Betreiber bedeutet das: Produktdaten werden vom Marketing-Thema zum Compliance-Thema. Wer erst 2027 anfängt, seine Datenbasis aufzuräumen, kommt zu spät. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was der digitale Produktpass konkret verlangt, welche Fristen gelten und wie Sie die Anforderungen in Ihrem Shopware-Shop sauber umsetzen.
Was ist der digitale Produktpass und wen betrifft er?
Der digitale Produktpass ist ein strukturierter, maschinenlesbarer Datensatz, der den Lebenszyklus eines Produkts dokumentiert: von den verwendeten Materialien über die Lieferkette bis zu Reparatur- und Recyclinghinweisen. Kunden, Geschäftspartner und Behörden greifen über einen QR-Code oder NFC-Chip auf diese Daten zu. Die rechtliche Grundlage ist die Ökodesign-Verordnung ESPR, die seit 2024 in Kraft ist und der EU als zentrales Werkzeug für nachhaltigere Produkte dient.
Wichtig: Es gibt keine Ausnahme für kleine und mittlere Unternehmen. Verantwortlich ist, wer ein betroffenes Produkt in der EU in Verkehr bringt, also Hersteller, Importeure und in vielen Konstellationen auch Händler. Gerade im B2B-Handel mit Elektronik, Batterien oder technischen Textilien sollten Sie das Thema deshalb nicht auf die lange Bank schieben, denn Ihre Einkäufer werden die Daten ebenfalls einfordern.
Der Zeitplan: Von Batterien 2027 bis zum breiten Rollout
Die Einführung erfolgt gestaffelt. Den Anfang machen Batterien: Ab dem 18. Februar 2027 verlangt die EU-Batterieverordnung für Industrie- und Traktionsbatterien mit mehr als 2 kWh einen Batteriepass. Danach folgen die ersten Produktgruppen unter der ESPR, allen voran Textilien und Elektronik. Bis etwa 2030 soll der digitale Produktpass für die meisten physischen Produkte im EU-Markt zur Pflicht werden; ausgenommen sind im Wesentlichen Lebensmittel, Futtermittel und Arzneimittel.
Für Onlineshops gilt dabei ein entscheidender Punkt: Die DPP-Daten müssen für Kunden bereits vor dem Kauf zugänglich sein. Es reicht also nicht, einen QR-Code auf das physische Produkt zu drucken. Ihre Produktdetailseiten müssen die Informationen ebenfalls bereitstellen oder auf den Produktpass verlinken. Damit wird der DPP automatisch zum Shop-Projekt und nicht nur zur Aufgabe der Produktion oder des Einkaufs.
Warum der DPP vor allem ein Produktdaten-Projekt ist
Der QR-Code ist am Ende nur die Fassade. Die eigentliche Arbeit steckt im Datenmanagement: Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck, Lieferantennachweise und Reparaturinformationen müssen strukturiert erfasst, versioniert und über mindestens zehn Jahre verfügbar gehalten werden. Genau diese Daten liegen heute in vielen Unternehmen verstreut in ERP-Systemen, Excel-Listen und bei Lieferanten, oft in unterschiedlicher Qualität und ohne klare Zuständigkeit.
Spätestens ab mittleren Sortimentsgrößen führt deshalb kaum ein Weg an einem PIM-System vorbei. Es zentralisiert Ihre Produktdaten, sichert die Datenqualität und ermöglicht automatisierte Exporte in den Shop und in künftige DPP-Register. Als Shopware Agentur sehen wir täglich: Wer seine Produktdaten im Griff hat, setzt den digitalen Produktpass als überschaubares Zusatzprojekt um. Wer sie nicht im Griff hat, steht 2027 vor einer Mammutaufgabe unter Zeitdruck.
So setzen Sie den digitalen Produktpass in Shopware um
Shopware 6 bringt gute Voraussetzungen mit. Über Zusatzfelder und Eigenschaften lassen sich DPP-relevante Daten strukturiert am Produkt pflegen, und die Store API stellt sie für QR-Code-Landingpages oder externe Systeme bereit. Im Shopware Store gibt es zudem erste DPP-Plugins, die Produktpässe samt QR-Code-Generierung direkt in der Administration verwalten. Für den Einstieg mit kleinem Sortiment kann das genügen. Prüfen Sie dabei aber genau, ob das Plugin die für Ihre Produktgruppe geforderten Datenfelder abbildet und ob es Aktualisierungen und Versionierung sauber unterstützt, denn die Anforderungen werden in den kommenden Jahren weiter konkretisiert.
Für größere Sortimente empfehlen wir einen Blick auf den Standard GS1 Digital Link: Ein einziger QR-Code verweist dabei sowohl auf den Produktpass als auch auf die GTIN und funktioniert an der Kasse ebenso wie im Browser. In der Praxis bewährt sich eine Architektur, bei der das PIM die DPP-Daten führt, Shopware sie auf der Produktdetailseite ausspielt und eine Landingpage pro Produkt die gesetzlich geforderten Informationen bündelt. Bei der Umsetzung solcher Datenflüsse unterstützt Sie unsere Shopware Entwicklung.
Ihr Fahrplan für die nächsten Monate:
Betroffenheit klären: Welche Ihrer Produktgruppen fallen unter die Batterieverordnung oder die ersten ESPR-Kategorien?
Datenlücken auditieren: Welche DPP-relevanten Informationen fehlen heute in ERP und PIM?
Lieferanten einbinden: Materialdaten und Nachweise frühzeitig anfordern und standardisiert erfassen.
Shop-Integration planen: Zusatzfelder, Store API und QR-Code-Strategie für Ihre Produktdetailseiten definieren.
Fazit: 2026 ist das Jahr der Datenbasis
Der digitale Produktpass kommt sicher, nur der genaue Zeitpunkt variiert je Produktgruppe. Unternehmen, die 2026 ihre Produktdaten konsolidieren, PIM-Prozesse aufsetzen und die Shop-Integration vorbereiten, erfüllen die Pflicht ab 2027 ohne Hektik. Nebenbei gewinnen sie bessere Daten für SEO, Beratung und Conversion, denn strukturierte, vollständige Produktdaten zahlen sich nicht erst mit dem DPP aus, sondern schon heute in Sichtbarkeit und Umsatz.
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