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EU-Gewährleistungslabel ab 27. September 2026: Was Shopware-Betreiber jetzt prüfen müssen

Holger Lentz 6 Min. Lesezeit

Am 27. September 2026 tritt eine neue EU-weite Kennzeichnungspflicht in Kraft, die praktisch jeden Onlineshop mit Endkundengeschäft betrifft. Ab diesem Stichtag müssen Händler ein standardisiertes Label zur gesetzlichen Gewährleistung anzeigen — und bei längeren Herstellergarantien zusätzlich ein zweites Label. Wer die Frist verstreichen lässt, riskiert wettbewerbsrechtliche Abmahnungen. Die gute Nachricht für Shopware-Betreiber: Shopware liefert beide Label seit dem Release 6.7.14.0 vom 9. September 2026 als Kernfunktion aus. Die schlechte: Ob Sie diese Funktion überhaupt nutzen können, hängt allein von Ihrem Versionsstand ab — und genau da wird es für viele Shops eng.

Was ab dem 27. September 2026 konkret gilt

Rechtliche Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2024/825, die Verbraucher beim Kauf physischer Waren besser über ihre Rechte informieren soll. Die konkrete Gestaltung der Label hat die EU-Kommission mit der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 festgelegt. Das Ergebnis ist ungewöhnlich rigide: Design, Farben, Layout und Texte sind vollständig vorgegeben und dürfen nicht an das Shop-Design angepasst werden. Wer das Label in seine Hausfarben umlackiert, erfüllt die Pflicht nicht.

Betroffen sind alle B2C-Händler im EU-Raum, die physische Waren an Verbraucher verkaufen — unabhängig von der Unternehmensgröße. Die Pflicht gilt auch für Verkäufe über Marktplätze wie Amazon oder eBay. Für reine B2B-Geschäfte greift sie nach aktueller Einordnung des Händlerbunds nicht; wer beides bedient, muss die Darstellung sauber trennen.

Entscheidend ist die Platzierung. Das Gewährleistungslabel muss vor Vertragsschluss sichtbar sein, also spätestens im Kaufprozess, und es darf nicht hinter einem Akkordeon oder Mouseover versteckt werden. Händler haben die Wahl, es auf der Produktdetailseite oder gebündelt im Checkout direkt vor dem Bestellbutton auszuspielen. Zusätzlich gehört es in die Bestellbestätigung. Beim Garantielabel ist die EU großzügiger: Es darf eingeklappt dargestellt werden.

Zwei Label, zwei unterschiedliche Regeln

In der Praxis werden die beiden Kennzeichnungen häufig verwechselt. Sie folgen aber völlig unterschiedlicher Logik:

  • Das Gewährleistungslabel ist statisch und für praktisch jedes physische Produkt Pflicht — auch für Gebrauchtware und unabhängig davon, ob überhaupt eine Garantie existiert. Es informiert über die gesetzliche Mängelhaftung, die ohnehin für jeden Verbraucherkauf gilt.

  • Das Garantielabel (GARAN) ist dynamisch und nur dann erforderlich, wenn eine freiwillige Herstellergarantie von mehr als zwei Jahren auf das gesamte Produkt besteht. Hier sind Dauer, Hersteller und Modell die einzigen variablen Bestandteile.

Diese Unterscheidung hat direkte Folgen für Ihre Datenpflege. Das statische Label lässt sich einmal zentral aktivieren. Das GARAN-Label dagegen braucht saubere Produktdaten: Garantiedauer, Herstellername und Herstellernummer müssen je Artikel gepflegt sein. In Katalogen mit mehreren tausend Positionen ist das kein Konfigurations-, sondern ein Datenprojekt — und der Punkt, an dem Shops erfahrungsgemäß in Zeitnot geraten.

Was Shopware 6.7.14 nativ mitbringt

Shopware hat die Anforderung in den Core geholt, statt sie den Agenturen und Plugin-Herstellern zu überlassen. Mit dem Release 6.7.14.0 vom 9. September 2026 sind beide Kennzeichnungen Bordmittel — in allen Plänen inklusive der Community Edition.

Den gesetzlichen Gewährleistungshinweis aktivieren Sie unter Einstellungen in den Warenkorb-Einstellungen im Bereich Checkout, und zwar je Verkaufskanal. Shopware liefert den Text dafür laut Hersteller in allen 24 EU-Amtssprachen aus, was internationalen Shops die aufwendigste Arbeit abnimmt. Das GARAN-Label pflegen Sie dagegen pro Produkt auf der Produktdetailseite: Dort tragen Sie die Garantiedauer in Monaten ein und aktivieren die Anzeige in der Storefront; Hersteller und Herstellerproduktnummer zieht das System aus den vorhandenen Produktdaten. Beide Kennzeichnungen erscheinen anschließend im Warenkorb, auf der Bestellbestätigungsseite und in den Bestätigungsmails.

Das gleiche Release bringt nebenbei zwei weitere Neuerungen, die für den Betrieb relevant sind: über 40 von der Community gepflegte Übersetzungen lassen sich jetzt direkt in der Administration hinzufügen und aktualisieren sich täglich automatisch, und für fehlgeschlagene Zahlungen gibt es einen fertigen Standard-Flow samt Mail-Template. Wer den Flow Builder bislang nur halbherzig nutzt, bekommt hier eine Vorlage geschenkt.

Der kritische Punkt: Ihr Versionsstand entscheidet

Die Kernfunktion nützt nur, wer sie auch bekommt. Und hier zerfällt das Feld in drei Gruppen:

  • Shops auf 6.7: Update auf 6.7.14.0 einspielen, Einstellung je Verkaufskanal aktivieren, Produktdaten prüfen. Überschaubarer Aufwand.

  • Shops auf 6.6: Shopware hat einen Backport für die 6.6-Linie angekündigt, die als Extended-Support-Linie weitergepflegt wird. Sie müssen allerdings auf einem aktuellen 6.6-Patchstand sein — dasselbe Muster wie beim Widerrufsbutton, der ebenfalls erst ab einem bestimmten Patchlevel verfügbar war.

  • Shops auf 6.5 oder älter: Für diese Major-Versionen gibt es keinen Backport. Sie brauchen entweder ein Versions-Upgrade oder eine individuelle Umsetzung über Template und eigene Felder — und zwar innerhalb weniger Tage.

Besonders unangenehm trifft es Shops, die noch auf Shopware 5 laufen. Dort ist die neue Pflicht nur eine von mehreren, die sich inzwischen stapeln: Widerrufsbutton, E-Rechnung, Barrierefreiheit. Jede einzelne lässt sich mit Aufwand nachrüsten, in Summe wird der Betrieb einer Altversion aber teurer als der Umstieg. Wenn Sie an diesem Punkt stehen, ist eine Shopware Migration die ehrlichere Antwort als das nächste Notfallpflaster. Für Shops mit stark angepasster Storefront lohnt vorab ein Blick darauf, welche Template-Overrides das Update blockieren — genau diese Analyse ist Teil unserer Shopware Entwicklung.

Wo es in der Praxis hakt

Drei Stolperstellen sehen wir regelmäßig, wenn Pflichtfunktionen aus dem Core in bestehende Shops kommen. Erstens: überschriebene Templates. Wer Warenkorb, Checkout oder Produktdetailseite stark individualisiert hat, bekommt das neue Label nicht automatisch angezeigt, weil der Core-Block im eigenen Theme fehlt. Das Label ist dann technisch aktiviert, aber unsichtbar — der schlechtestmögliche Zustand, weil die Einstellung im Backend Sicherheit vortäuscht.

Zweitens: Headless-Setups. Wenn Ihr Frontend nicht die Shopware-Storefront ist, liefert der Core zwar die Daten, das Rendern der Label ist aber Aufgabe Ihres Frontends. Das ist Entwicklungsarbeit, keine Konfiguration.

Drittens: gemischte Sortimente. Digitale Produkte, Dienstleistungen und B2B-Artikel unterliegen anderen Regeln als physische Verbraucherwaren. Ein pauschal über alle Verkaufskanäle aktiviertes Label ist zwar schnell eingerichtet, kann aber an Stellen auftauchen, an die es nicht gehört. Prüfen Sie die Ausspielung deshalb kanalweise und nicht nur an einem Beispielprodukt.

Ihre Checkliste für die kommenden Tage

  1. Versionsstand feststellen: Welche Shopware-Version läuft, welcher Patchstand?

  2. Update planen — auf 6.7.14.0 beziehungsweise den aktuellen 6.6-Stand mit Backport.

  3. Gewährleistungshinweis je Verkaufskanal aktivieren und die Darstellung entscheiden: Produktseite oder Checkout.

  4. Produktdaten prüfen: Bei welchen Artikeln liegt eine Herstellergarantie über zwei Jahre vor? Sind Hersteller und Herstellernummer gepflegt?

  5. Darstellung in Storefront, Warenkorb, Bestellbestätigungsseite und Bestätigungsmail gegenprüfen — im individuellen Theme, nicht im Standardtheme.

  6. Bei stark angepassten Templates oder Headless-Frontend: Entwicklungsaufwand jetzt einplanen, nicht am 26. September.

Der Aufwand ist für gepflegte Shops gering, für vernachlässigte Installationen dagegen erheblich. Der Unterschied liegt nicht am neuen Label, sondern an der Update-Disziplin der vergangenen zwei Jahre. Genau deshalb ist ein aktueller Versionsstand keine technische Fleißaufgabe, sondern ein Risikopuffer: Er entscheidet, ob eine neue Pflicht ein Konfigurationstermin oder ein Projekt wird. Wie sich dieser Puffer in laufenden Shops aufbauen lässt, zeigen unsere Referenzprojekte.

Sie sind unsicher, ob Ihr Shop den Stichtag sauber erreicht, oder wissen nicht, ob Ihr Theme die neuen Label überhaupt ausspielt? Wir prüfen Ihren Versionsstand, Ihre Template-Overrides und Ihre Produktdaten und sagen Ihnen klar, was bis zum 27. September noch zu tun ist. Sprechen Sie mit den Experten von enno.dev, Ihrer spezialisierten Shopware Agentur Köln.

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