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Marketing & Wachstum

HubSpot Marketing Automation für Onlineshops: Von Warenkorbabbruch bis Nachbestellung

Holger Lentz 5 Min. Lesezeit

Die meisten Shops nutzen HubSpot als besseres Adressbuch. Kontakte laufen hinein, gelegentlich geht ein Newsletter hinaus, und die Automatisierung bleibt beim Willkommens-Mailing stehen. Dabei liegt der eigentliche Hebel woanders: Sobald HubSpot weiß, was jemand gekauft hat, wann und wie oft, lassen sich Kampagnen bauen, die auf Verhalten reagieren statt auf einen Versandkalender. Voraussetzung ist, dass die richtigen Daten aus Shopware ankommen — und nur die richtigen.

Welche Shopware-Daten HubSpot für Automatisierung braucht

Marketing Automation ist nur so gut wie die Merkmale, an denen sie sich festmachen kann. Vier Datenarten machen praktisch den ganzen Unterschied:

  • Bestellhistorie mit Positionen. Nicht nur „hat gekauft“, sondern welches Produkt, welche Kategorie, welcher Betrag. Erst damit werden Nachfass-Kampagnen produktbezogen statt allgemein.

  • Zeitpunkte. Erste Bestellung, letzte Bestellung, durchschnittlicher Abstand. Das sind die Felder, aus denen Reaktivierung und Nachbestellung entstehen.

  • Kundenwert. Gesamtumsatz, Anzahl Bestellungen, durchschnittlicher Warenkorb. Ohne diese Werte behandelt jede Kampagne den Einmalkäufer wie den Stammkunden.

  • Einwilligungsstatus. Ob überhaupt geschrieben werden darf, und zu welchem Thema. Ohne dieses Feld ist jede Automatisierung ein Risiko.

Technisch landen diese Informationen als Felder am Kontakt und an der Firma sowie als Deals mit Line Items. Wie diese Übertragung aufgebaut wird und welcher Weg — Store-App, eigene Private App oder Middleware — in Ihrem Fall trägt, beschreiben wir auf der Seite zur HubSpot an Shopware anbinden.

Warenkorbabbrecher: der Klassiker, richtig gebaut

Die Abbrecher-Mail ist die Kampagne mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag — und die, die am häufigsten falsch gebaut wird. Drei Punkte entscheiden.

Erstens die Rechtsgrundlage. Eine Abbrecher-Mail ist Werbung. Sie braucht eine Einwilligung oder einen belastbar geprüften Ausnahmefall. Wer sie an jede Adresse schickt, die im Checkout ein E-Mail-Feld ausgefüllt hat, handelt sich Ärger ein. Prüfen Sie diesen Punkt mit Ihrer Rechtsberatung, bevor der erste Workflow scharf geschaltet wird.

Zweitens der Auslöser. „Warenkorb gefüllt, Bestellung nicht abgeschlossen“ ist kein Zustand, den Shopware von sich aus meldet. Es braucht ein Ereignis aus dem Shop und eine Wartezeit, nach der als abgebrochen gilt, was nicht bestellt wurde. Bewährt haben sich 60 bis 90 Minuten für die erste Nachricht — früh genug, dass die Kaufabsicht noch da ist, spät genug, dass niemand eine Mail bekommt, während er noch im Checkout tippt.

Drittens der Ausstieg. Jeder Workflow braucht eine Abbruchbedingung. Wenn die Bestellung zwischendurch eingeht, muss die zweite Mail unterbleiben. Das klingt selbstverständlich und ist der Fehler, den wir in bestehenden Instanzen am häufigsten finden: Kunden, die kaufen und trotzdem drei Tage später gefragt werden, warum sie nicht gekauft haben.

Nachbestellung: die unterschätzte Kampagne

Bei Verbrauchsartikeln, Ersatzteilen und Betriebsmitteln ist der Nachbestellzyklus das stärkste Signal, das Ihre Daten hergeben. Wer alle acht Wochen Filter kauft, ist in Woche sieben ansprechbar — und in Woche zwölf beim Wettbewerber.

Der Aufbau ist unspektakulär und wirkt genau deshalb: Die Anbindung schreibt Datum und Inhalt der letzten Bestellung nach HubSpot, ein Workflow rechnet den erwarteten nächsten Bedarf aus, und die Nachricht kommt kurz davor. Wichtig ist, den Zyklus je Produktgruppe zu bestimmen und nicht global — ein Mittelwert über alle Artikel trifft niemanden. Im B2B kommt hinzu, dass die Nachricht an die richtige Person im Unternehmen gehen muss: Der Einkauf entscheidet, nicht die Person, die zuletzt bestellt hat. Genau dafür braucht es eine saubere Firmenzuordnung, wie wir sie in unserem Beitrag zu Datenqualität im CRM beschreiben.

Lifecycle-Stages: erst definieren, dann automatisieren

HubSpots Lifecycle-Stages sind der Punkt, an dem Marketing und Vertrieb sich am häufigsten missverstehen. „Lead“, „Marketing Qualified Lead“, „Opportunity“, „Customer“ — die Bezeichnungen sind vorgegeben, ihre Bedeutung nicht.

Für einen Shop bedeutet das: Klären Sie vorher, was der Übergang auslöst. Ist ein Newsletter-Abonnent schon ein Lead? Wird ein B2C-Käufer mit 19 Euro Warenkorb zum Customer, obwohl ihn niemand im Vertrieb betreuen wird? Bei gemischten Geschäftsmodellen ist es sinnvoll, die Stufen an den Shop-Daten festzumachen — Kundengruppe, Bestellwert, Rechnungskauf — statt an Bauchgefühl. Und definieren Sie, ob eine Stufe zurücklaufen darf. HubSpot verhindert Rücksprünge in der Standardeinstellung, was in der Praxis dazu führt, dass Kontakte für immer als „Customer“ gelten, obwohl seit drei Jahren nichts kam.

Was im Shop bleiben sollte

Nicht alles gehört nach HubSpot. Transaktionsmails — Bestellbestätigung, Versandbenachrichtigung, Rechnung — bleiben in Shopware. Sie sind vertragsbezogen, müssen zuverlässig und sofort ankommen und dürfen nicht an einem Marketing-Abonnement hängen. Wer sie in HubSpot nachbaut, riskiert, dass eine Bestellbestätigung ausbleibt, weil jemand sich vom Newsletter abgemeldet hat.

Die Trennlinie, die sich bewährt hat: Alles, was aus dem Kaufvertrag folgt, verschickt der Shop. Alles, was Werbung ist, verschickt HubSpot. Diese Grenze sauber zu ziehen, verhindert doppelte Mails an dieselbe Person und macht später die Frage beantwortbar, welches System welche Nachricht verschickt hat. Für die technische Umsetzung im Shop selbst — Flow Builder, Ereignisse, Templates — ist die Shopware-Entwicklung der richtige Ort, nicht das CRM.

Messen, was die Automatisierung bringt

Sobald Bestellungen als Deals mit echten Beträgen in HubSpot liegen, lässt sich pro Workflow und pro Kampagne Umsatz ausweisen — nicht Öffnungsraten, sondern Euro. Das ist der eigentliche Grund, eine Shop-Anbindung zu bauen: Sie beantwortet die Frage, welche Kampagne Geld verdient.

Halten Sie die Messung dabei so einfach wie möglich. Eine Kampagne, ein Ziel, eine Zahl. Wer zum Start fünf Workflows gleichzeitig aktiviert, weiß hinterher nicht, welcher gewirkt hat. Starten Sie mit Abbrecher und Nachbestellung, messen Sie zwei Monate, und bauen Sie dann aus.

Marketing Automation für Onlineshops ist kein Werkzeugthema, sondern ein Datenthema. Wenn Sie HubSpot an Shopware anbinden oder eine bestehende Anbindung endlich für Kampagnen nutzbar machen wollen: Sprechen Sie mit enno.dev — wir bauen die Datenbasis, auf der Ihre Kampagnen laufen können.

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CEO, enno.dev GmbH

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