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Shopware 6.7.15: Copilot Agentic ist stabil und Extensions docken per MCP an

Holger Lentz 12 Min. Lesezeit

Mit den Release News zu Shopware 6.7.15 hat Shopware einen Schritt kommuniziert, den ich seit dem Frühjahr verfolge: Copilot Agentic hat die Beta verlassen und gilt als stabil. Gleichzeitig können Apps und Plugins ihre eigenen Funktionen über das Model Context Protocol, kurz MCP, an den Copilot anbinden. Ich ordne ein, was das bedeutet, was es kostet und was Sie als Händler oder Hersteller damit heute anfangen können.

Was sich mit 6.7.15 geändert hat

Zuerst eine Klarstellung zur Version. Copilot ist kein fester Bestandteil des Shopware Core, sondern ein sogenannter Shopware Service. Das ist eine Cloud-Erweiterung, die Shopware selbst entwickelt und unabhängig von Core-Updates aktualisiert. Deshalb hängt der Status von Copilot nicht starr an einer Versionsnummer. Auf der Update-Seite von Shopware ist der Wechsel von Beta auf stabil auf den 23.09.2026 datiert, öffentlich vorgestellt wurde er mit den Release News zu 6.7.15.0 vom 1.10.2026. Ich formuliere es daher so: Copilot Agentic ist seit Ende September 2026 stabil. Eine ausdrücklich genannte Mindestversion für den stabilen Stand nennt Shopware nicht.

Laut Shopware bringt der stabile Release vier Neuerungen mit:

  • Copilot Agentic arbeitet jetzt auch in ausgewählten kommerziellen Funktionen: Advanced Search, B2B Budget Management, B2B Advanced Product Catalogs, Dynamic Access, Multi-Warehouse, Subscriptions und Product Bundles. Weitere sollen folgen.

  • Copilot lässt sich an eine eigene ACL-Rolle binden.

  • Zuverlässigkeit, Performance, Skalierbarkeit und Fehlerbehandlung wurden verbessert.

  • Apps und Plugins können Funktionen per MCP für den Copilot bereitstellen.

Technisch hat 6.7.15.0 den MCP-Server im Core weiterentwickelt. Extensions, die nur die vorgesehenen Tags oder die Datei mcp.xml nutzen, müssen laut Shopware nicht angepasst werden.

So arbeitet Copilot Agentic im Admin

Copilot ist ein Chat-Assistent in der Shopware Administration mit drei Rollen. Der Knowledge Assistant beantwortet Fragen auf Basis der Shopware-Dokumentation. Data Insights beantwortet Fragen zu Ihren Shopdaten, nur lesend, als Text, Tabelle oder Grafik. Agentic schließlich erledigt Aufgaben im Shop in Ihrem Auftrag.

Laut Dokumentation kann Agentic unter anderem Rabattaktionen mit Regeln und Laufzeit anlegen, Flows im Flow Builder einrichten, Produkte in Masse bearbeiten, Kategorien organisieren sowie Sprachen, Domains und CMS-Layouts anlegen. Über ein vorangestelltes @ verweisen Sie direkt auf Kategorien, Produkte, Kunden oder Landingpages. Ist eine Anfrage unklar, fragt Copilot nach.

Der Ablauf ist immer gleich. Sie formulieren die Aufgabe, Copilot erstellt einen Entwurf mit einer Übersicht der betroffenen Werte, zum Beispiel alter und neuer Preis, und wartet auf Ihre Freigabe. Erst nach einem Klick auf „Approve“ wird die Änderung übernommen und mit Zeitstempel bestätigt.

Wie Extensions per MCP andocken

MCP in einfachen Worten

Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen mit Datenquellen und Werkzeugen sprechen. Man kann es sich wie eine gemeinsame Steckdose vorstellen: Ein System stellt beschriebene Werkzeuge bereit, und ein KI-Assistent findet und nutzt sie, ohne dass für jede Kombination eine eigene Schnittstelle nötig ist. In Shopware ist der Shop selbst dieser Werkzeuganbieter. Der eingebaute MCP-Server unter /api/_mcp stellt Funktionen bereit, und Copilot ist sein wichtigster Nutzer.

Was das für Plugins und Apps bedeutet

Seit Shopware 6.7.14.0 können Extensions eigene Werkzeuge an diesen Server hängen. Copilot findet sie automatisch, eine separate Registrierung beim Copilot ist nicht nötig. Ein Plugin definiert ein Werkzeug als PHP-Klasse mit dem Attribut #[McpTool] und registriert es mit dem Service-Tag shopware.mcp.tool. Eine App beschreibt ihre Werkzeuge in der Datei Resources/mcp.xml, Shopware ruft sie dann über einen signierten Webhook auf.

Für die Praxis wichtig: Nur Apps laufen auch in der Shopware Cloud, Plugins haben dafür vollen Zugriff auf die Datenschicht.

Ein Punkt gehört unbedingt dazu: Copilot Agentic ist stabil, der MCP-Server und die Copilot-Tool-Anbindung sind aber laut Shopware bis Version 6.8 experimentell. Schnittstellen und Toolnamen können sich also noch ändern. Wer eigene Werkzeuge baut, sollte Wartungsaufwand einplanen.

Rechte und Sicherheit

Eigene Rolle für den Copilot

Copilot prüft laut Shopware die Rechte des Nutzers, bevor er eine Aktion vorbereitet oder ausführt. Neu ist, dass Sie in den Copilot-Einstellungen eine eigene Rolle zuweisen können. Pro Bereich im Admin legen Sie fest, ob Copilot ansehen, bearbeiten, anlegen oder löschen darf. Bei Werkzeugen aus Extensions handelt Copilot mit den Rechten des Nutzers, der gerade chattet. Auf Tabellen, die eine Extension selbst anlegt, greift Copilot nur zu, wenn eine passende Copilot-Rolle diese Rechte enthält.

Freigabe, Protokoll und die Lücke bei dryRun

Alle Aktivitäten werden protokolliert. Nutzer sehen ihre eigenen Einträge, Administratoren alle. Ausgeführte Aktionen lassen sich laut Dokumentation nicht rückgängig machen. Shopware weist außerdem darauf hin, dass Antworten falsch sein können, und empfiehlt, Ergebnisse zu kontrollieren.

Bei Extensions gibt es einen Punkt, den ich jedem Händler erkläre. Die Freigabe funktioniert dort nur, wenn ein schreibendes Werkzeug einen Parameter namens dryRun mitbringt. Copilot ruft es dann zuerst im Vorschaumodus auf, zeigt Ihnen eine Freigabekarte und führt erst nach Ihrer Zustimmung aus. Fehlt dieser Parameter, behandelt Copilot das Werkzeug wie ein reines Lesewerkzeug und führt es ohne Freigabe aus. In der Verhaltensmatrix der Entwicklerdoku steht für diesen Fall bei der Händlerfreigabe wörtlich „Bypassed“. Selbst im Core gibt es eine solche Ausnahme: Das Werkzeug für Medien-Uploads lädt sofort hoch und hat keinen Vorschaumodus. Shopware bezeichnet den dryRun-Ansatz selbst als Übergangslösung. Das Versprechen „keine Änderung ohne Freigabe“ gilt also nur, wenn die Werkzeuge sauber gebaut sind.

Datenschutz

Die Copilot-Infrastruktur ist laut Shopware in Europa gehostet. Anfragen gehen an einen externen KI-Anbieter, derzeit mit Sitz in Europa, der keinen Zugriff auf den Shop hat und die Eingaben nicht zum Training nutzt. Personenbezogene Daten verarbeitet Copilot nicht; die Frage nach den Adressen Ihrer fünf besten Kunden beantwortet er zum Beispiel nicht. Die Anfragen selbst sammelt Shopware zur Produktverbesserung. Welches Sprachmodell konkret im Einsatz ist, nennt Shopware nicht.

Preise und Pläne

Copilot als Knowledge Assistant steht in allen Plänen zur Verfügung, auch in der Community Edition. Agentic setzt dagegen Data Insights voraus und ist Teil des Add-ons Shopware Intelligence+. Das kostet laut Preisseite 29 pro Monat für die Community Edition und 19 pro Monat für Rise, Evolve und Beyond, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Währung richtet sich nach der Länderversion der Preisseite. Feste Anfragekontingente gibt es nicht; bei ungewöhnlich hoher Nutzung kann Shopware die Anfragerate vorübergehend drosseln. Ohne Abo sind 10 Anfragen pro Monat für Data Insights und Agentic zusammen frei.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Copilot und den Funktionen, in denen er arbeitet. Die kommerziellen Funktionen hängen an Ihrem Shopware-Plan. Advanced Search, Dynamic Access, B2B Budget Management, Advanced Product Catalogs und Product Bundles gibt es ab Evolve, Multi-Warehouse und Subscriptions nur in Beyond. Copilot kann nur dort arbeiten, wo die Funktion auch lizenziert ist.

Welche Möglichkeiten sich für Händler ergeben

Routinearbeit im Admin delegieren

Shopware spricht davon, dass Copilot Aufgaben in Minuten erledigt, die sonst Stunden oder Tage dauern. Das ist eine Herstelleraussage, gemessene Zahlen dazu gibt es nicht. Realistisch ist aus meiner Sicht: Wiederkehrende Aufgaben wie Promotions anlegen, Preise einer Kategorie anpassen, Produkte einer Sale-Kategorie zuordnen oder Flows einrichten lassen sich per Chat beauftragen. Die Academy beschreibt ein Szenario, in dem Copilot schwache Produkte ermittelt, sie in den Sale setzt, eine Landingpage erstellt und eine Kundenbenachrichtigung vorbereitet. Die Freigabe bleibt dabei bei Ihnen. Dazu kommen Analysen über Data Insights, etwa der Umsatz des Vormonats, die Sie als Kennzahl im Analytics-Dashboard speichern können.

Kommerzielle und B2B-Funktionen

Für Händler im B2B und für Hersteller mit eigenem Shop ist die Erweiterung auf kommerzielle Funktionen der eigentlich neue Teil. Copilot kann laut Shopware Informationen abrufen und Aktionen ausführen in B2B Budget Management, in kundenspezifischen Katalogen über Advanced Product Catalogs, bei der Sichtbarkeit von Inhalten je Kundengruppe über Dynamic Access, in Advanced Search, Multi-Warehouse, Subscriptions und Product Bundles. Welche Einzelaktionen in diesen Bereichen konkret möglich sind, ist bisher nicht im Detail dokumentiert. Ich würde das deshalb im eigenen System testen, bevor Sie Prozesse darauf aufbauen.

Extension-Funktionen im selben Chat

Über MCP sollen Sie die Funktionen Ihrer Extensions zentral im Copilot nutzen können, statt zwischen Oberflächen zu wechseln. Shopware nennt Nosto, The Boldest und Impaqx als erste Pilotpartner. Belegt ist bisher vor allem Nosto: Das Nosto-Plugin im Shopware Store stellt ein experimentelles MCP-Werkzeug bereit, mit dem sich die Nosto-Dokumentation abfragen lässt. Das ist eine lesende Wissensabfrage, keine Aktion im Shop. Zu den beiden anderen Piloten gibt es bislang nur die Nennung durch Shopware. Ob eine Extension Werkzeuge für den Copilot mitbringt, müssen Sie derzeit beim Hersteller erfragen; eine Kennzeichnung im Shopware Store habe ich nicht gefunden. Auch individuelle Plugins aus Ihrem Projekt können eigene Werkzeuge bekommen.

Und die Endkunden?

Hier möchte ich klar sein: Copilot Agentic ist ein Werkzeug für die Administration. Für Endkunden in Ihrem Shop bietet er selbst nichts. Ein indirekter Nutzen kann entstehen, wenn Sortiment, Preise und Aktionen schneller gepflegt sind, belegt ist das aber nicht.

Was es für Endkunden gibt, ist experimentell. Shopware betreibt einen zweiten MCP-Server für die Store API, über den KI-Assistenten im Auftrag von Käufern einen Shop durchsuchen können. Der Core liefert dort bisher nur ein einziges Werkzeug. Daneben zeigt das Agentic Commerce Lab von Shopware Prototypen wie das Shopping Assistant Starter Kit, einen Einkaufsassistenten im Shop, der als Forschungsvorschau gekennzeichnet ist, und ein WebMCP-Plugin, das ausdrücklich nicht für den Produktivbetrieb gedacht ist. Das sind Ansätze für Pilotprojekte, kein fertiges Produkt.

Eine kurze Einordnung zu Gartner

Im Gartner Magic Quadrant for Digital Commerce Platforms vom 19.10.2026 wurden 14 Anbieter bewertet, Shopware ist einer davon. Laut Shopware ist Shopware dort der einzige Visionary; öffentlich bestätigt Gartner nur die Aufnahme, die Positionierung liegt hinter der Bezahlschranke. Nach Gartners eigener Definition verstehen Visionaries, wohin sich der Markt entwickelt, setzen das aber noch nicht in vollem Umfang um.

Meine Empfehlung: die nächsten Schritte

  1. Voraussetzungen prüfen: Laut Academy brauchen Sie Shopware 6.7.8.0 oder neuer und die Zustimmung unter Einstellungen > Shopware Services. Die aktuelle Copilot-Dokumentation gilt für 6.7.13.0 oder neuer. Für Werkzeuge aus Extensions ist 6.7.14.0 die Grundlage.

  2. Mit den freien Anfragen testen: Die 10 freien Anfragen pro Monat reichen, um ein Gefühl für Entwürfe und Freigaben zu bekommen, bevor Sie Intelligence+ buchen.

  3. Eine eigene Copilot-Rolle anlegen: Starten Sie mit eng begrenzten Rechten und erweitern Sie diese schrittweise. Weil ausgeführte Aktionen nicht rückgängig zu machen sind, würde ich Massenänderungen zuerst auf einem Staging-System ausprobieren.

  4. Extensions prüfen: Fragen Sie bei Ihren Extension-Herstellern nach, ob sie MCP-Werkzeuge bereitstellen und ob schreibende Werkzeuge den Vorschaumodus über dryRun unterstützen.

  5. Freigaben ernst nehmen: Lesen Sie jeden Entwurf, bevor Sie freigeben, und nutzen Sie den Aktivitätsverlauf zur Kontrolle.

Fazit

Mit dem stabilen Copilot Agentic lässt sich Routinearbeit im Shopware Admin per Chat delegieren, jetzt auch in B2B-, Bundle-, Abo- und Lagerfunktionen. Die MCP-Anbindung öffnet den Copilot für Extensions, ist aber noch experimentell und verlangt sauber gebaute Werkzeuge. Für Endkunden ändert sich vorerst nichts Direktes.

Quellen

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